Kimchi
Koreanisches Ferment aus Chinakohl, scharf, sauer und salzig. Der Kohl wird gesalzen, mit einer Paste aus Chili, Knoblauch, Ingwer und Umami eingerieben und in seiner eigenen Lake vergoren. Ein bis zwei Tage bei Raumtemperatur, danach in den Kühlschrank bei drei bis fünf Grad, wo es monatelang weiterreift und dabei laufend seinen Geschmack ändert.
Die Basis, die immer gleich bleibt
Diese sechs stehen in fast jedem Ansatz, egal welche Variante du unten wählst. Nur die Tempelküche lässt Knoblauch und Frühlingszwiebel weg.
-
Chinakohl Der Körper des Ferments. Fest und schwer soll er sein, nicht luftig.
-
Grobes Meersalz Grob und ohne Rieselhilfe. Dass auch Jod der Gärung schadet, steht in vielen Rezepten, ist aber widerlegt: Sauerkraut mit einem Prozent Jodsalz gärte wie das mit unjodiertem.
-
Gochugaru Grob gemahlener koreanischer Chili. Mild, fruchtig und vor allem für die Farbe da.
-
Knoblauch Großzügig. Kimchi ohne deutlichen Knoblauch schmeckt nach nichts.
-
Ingwer Sparsam. Zu viel drängt sich beim Reifen nach vorne und bleibt dort.
-
Frühlingszwiebeln Kommen erst zum Schluss dazu und bleiben in Stücken, nicht in Ringen.
Rezept zusammenstellen
Kimchi ist kein festes Rezept, sondern ein Verhältnis. Der Kohl, das Salz und die Zeit liegen fest, alles andere ist Haushaltssache. Stell dir hier zusammen, was du wirklich da hast, die Mengen rechnen sich mit.
Deine Zutaten
- Chinakohl,
Supermarkt, das ganze Jahr über. Ein Ersatz ist nicht nötig. - grobes Meersalz für die Lake,
Koreanisches Meersalz gibt es online, grobes aus dem Supermarkt tut es genauso; feines ein Viertel weniger dosieren. Dass Jodsalz die Gärung stört, ist widerlegt. - grobes Meersalz zum Einstreuen,
Zusammen mit dem Salz in der Lake sind das zehn Prozent vom Kohlgewicht. - grobes Meersalz zum Einstreuen,
Zusammen mit dem Salz in der Lake sind das zwölf Prozent vom Kohlgewicht. - grobes Meersalz zum Einstreuen,
Zusammen mit dem Salz in der Lake sind das acht Prozent vom Kohlgewicht. - chlorfreies Wasser für die Lake,
Mit dem Salz für die Lake ergibt das eine zwölfprozentige Lake, die kurze und starke Salzung für mundgerechte Stücke. Gechlortes Leitungswasser vorher eine Stunde offen stehen lassen. - chlorfreies Wasser für die Lake,
Mit dem Salz für die Lake ergibt das eine zehnprozentige Lake, in der ganze Viertel über Stunden ziehen. Gechlortes Leitungswasser vorher eine Stunde offen stehen lassen. - koreanischer Mu,
- Daikon,
- Kohlrabi,
- Frühlingszwiebeln,
- Knoblauch, , das sind rund
- Ingwer,
- Gochugaru,
Asia-Laden oder online, ohne gleichwertigen Ersatz: Paprikapulver bringt nur Farbe, Cayenne liegt bei 30.000 bis 50.000 Scoville gegen 1.500 bis 10.000 hier, und Chiliflocken mit Kernen werden bitter. - Fischsauce,
Asia-Laden oder online. Thailändische Nam Pla steht im Supermarkt und ist der gängige Ersatz, auch wenn koreanische Rezepte die beiden auseinanderhalten. - Saeujeot,
Asia-Laden oder online. Rohe Garnelen sind der beste Ersatz, sonst Fischsauce. - Dashima, also Kombu, , getrocknete Shiitake, , und Wasser,
Beides breit verfügbar: Dashima liegt im Supermarkt, im Bioladen und im Asia-Laden, getrocknete Shiitake genauso. - Guk-Ganjang, , und zusätzliches Salz,
Asia-Laden oder online. Koreanische Rezepte würzen den veganen Ansatz mit wenig Guk-Ganjang und gleichen die Salzigkeit mit Salz aus, statt die Sojasauce hochzudosieren: sonst färbt und schmeckt sie durch. Normale Sojasauce ist der Kompromiss; im veganen Ansatz trägt Guk-Ganjang den Geschmack und sollte nicht ersetzt werden. - helle Sojasauce,
- helles Miso,
- rohe Garnelen,
- Nashi-Birne,
Im Herbst im Supermarkt, sonst Asia-Laden. Ein Fuji-Apfel ist der gängige Ersatz. - Apfel, säuerlich,
- Zucker,
- Reissirup,
- reife Persimone,
- Zwiebel,
- Minari,
Frisch kaum zu bekommen, vereinzelt online aus deutschem Anbau. Petersilie oder Brunnenkresse treffen nur die Optik. - Buchu, also Knoblauch-Schnittlauch,
Im Asia-Laden, und auch dort nur in Großstädten. Knoblauch-Schnittlauch aus deutschem Anbau ist botanisch dieselbe Pflanze; gewöhnlicher Schnittlauch ist es nicht. - Gat, also Senfblatt,
Frisch kaum zu bekommen. Senfblätter, Mizuna oder Rucola gehen in dieselbe scharf-senfige Richtung und reichen als Nebenzutat. - Karotte,
- getrocknetes Cheonggak,
Praktisch nicht zu bekommen, auch in den USA schwer. Die Rezepte lassen sie dann weg. - Klebreismehl, und WasserSardellenbrühePollackbrühe,
- Reismehl, und WasserSardellenbrühePollackbrühe,
- Weizenmehl, und WasserSardellenbrühePollackbrühe,
- gekochter Reis, und WasserSardellenbrühePollackbrühe,
- für die Brühe: getrocknete Sardellen, , Dashima, , und Wasser,
Sardellen im Asia-Laden; Dashima ist Kombu und liegt auch im Supermarkt und im Bioladen. Was von der Brühe übrig bleibt, geht mit in die Paste. - für die Brühe: getrockneter Alaska-Pollack, , und Wasser,
Asia-Laden oder online, dort als Hwangtae oder Bugeo. Was von der Brühe übrig bleibt, geht mit in die Paste. - entfettete Rinderknochenbrühe,
- Cheonggak ist praktisch nicht zu bekommen.
- Minari und Gat sind frisch kaum zu bekommen.
- Buchu gibt es nur im Asia-Laden, und auch dort nicht überall.
- Saeujeot kommt aus dem Asia-Laden oder aus der Bestellung.
- Guk-Ganjang kommt aus dem Asia-Laden oder aus der Bestellung.
- Der Dashima-Shiitake-Sud ist ein eigener Kochgang vor dem Ansatz.
- Die Brühe für den Kleister ist ein eigener Kochgang vor dem Ansatz.
- Die Knochenbrühe muss gekocht, ausgekühlt und mehrfach entfettet werden.
- Der Kleister wird gekocht und muss vollständig auskühlen.
- Rohe Garnelen gehen ungegart in die Paste und verlangen frische Ware.
- Die Persimone muss vollreif sein, wird aufgekocht und durch ein Sieb gestrichen.
- Die feinen Rettichstifte kosten die meiste Zeit am Brett.
- Ganze Viertel liegen sechs bis acht Stunden im Salz und werden danach Blatt für Blatt bestrichen.
Deine Nährwerte
-
Energie -
Fett viel -
Eiweiß -
Kohlenhydrate -
Natrium viel
Kimchi reifen und lagern
Die Angaben gelten für ein Glas, das zu drei Vierteln voll ist und dessen Inhalt unter der Lake steht. Die erste Stufe ist kein Zwischenstand des Glases, das du reifen lässt: wer frisches Kimchi will, nimmt sich gleich beim Ansetzen eine Portion als Geotjeori ab. Das Glas selbst bleibt zwei Wochen zu, damit die säureempfindlichen Keime der Frischphase verschwinden. Die drei Tage für die frisch abgenommene Portion und die vier bis sieben Tage, die ein bei zehn Grad und darunter stehender Ansatz bis zur Säure braucht, stehen so in der Kimchi-Leitlinie des BCCDC.
Wie Kimchi über die Zeit schmeckt
-
Tag 1 bis 2 18 bis 22 °C
Salzig, frisch, kaum Säure. Der Kohl knackt noch wie roh.
Als Geotjeori, also frisch abgenommen und binnen drei Tagen aufgegessen
-
Woche 1 bis 2 4 °C
Die Säure setzt ein, die Schärfe rundet sich, es zischt beim Öffnen.
Der Punkt, an dem die meisten aufhören
-
Woche 3 bis 8 4 °C
Deutlich sauer, weicher, die Lake wird trüb.
Beilage zu Fettem, Reis, Grillfleisch
-
Ab Monat 3 4 °C
Sehr sauer, weich, fast schon eingelegt statt frisch.
Kimchi-Jjigae, Kimchi-Pfannkuchen, gebratener Reis
Wenn etwas schiefgeht
- Weißer Film auf der Lake
- Kahmhefe, harmlos. Abschöpfen, alles wieder unter die Lake drücken, kälter stellen. Pelzige oder farbige Flecken sind dagegen Schimmel, dann kommt das ganze Glas weg.
- Es passiert nichts
- Zu kalt, zu salzig oder zu wenig Zucker in der Paste. Wärmer stellen und beim nächsten Ansatz die Süße nicht weglassen.
- Es wird sofort matschig
- Zu lange gesalzen oder zu warm gereift. Der Kohl soll sich biegen lassen, nicht zusammenfallen.
- Zu salzig
- Der Kohl wurde nach dem Salzen nicht gründlich genug gespült. Dreimal spülen ist keine Empfehlung, sondern der Rezeptschritt.
- Bitter
- Zu viel Strunk. Den harten Teil großzügig kürzen; dass jodiertes Salz bitter macht, ist widerlegt.
Andere Kimchi-Sorten, gleiches Prinzip
Die Paste oben passt auch auf anderes Gemüse. Was sich ändert, ist die Vorbehandlung.
- Kkakdugi: Rettich in Würfel statt Kohl. Braucht weniger Salzzeit und bleibt lange knackig.
- Oi sobagi: Gurken, eingeschnitten und gefüllt. Sommerkimchi, nach wenigen Tagen am besten.
- Baek kimchi: das weiße Kimchi ganz ohne Chili, näher am Ursprung als die rote Fassung.
- Pa kimchi: nur Frühlingszwiebeln. Sehr scharf im Antritt, sehr direkt.
- Dongchimi: Rettich in klarer Lake, die Flüssigkeit ist hier das Ziel und wird als kalte Suppe getrunken.
Woher es kommt
Eingelegtes Gemüse ist in Korea über anderthalb Jahrtausende alt und war zuerst schlicht Vorratshaltung: Kohl oder Rettich in Salzlake, damit im Winter etwas anderes als Reis auf dem Tisch stand. Scharf wurde Kimchi erst sehr viel später. Die Chili kam vermutlich kurz nach dem Imjin-Krieg von 1592 bis 1598 ins Land, landete aber erst Mitte des 18. Jahrhunderts im Kimchi. Zwischen Ankunft und Wirkung liegen rund 150 Jahre, also fünf Generationen, in denen sie längst da war und niemand sie dafür benutzte.
Danach ging es schnell. Das 증보산림경제 von 1766 führt bereits 41 Kimchi-Sorten mit Chili auf. Der Chinakohl, um den dieser ganze Baukasten gebaut ist, kommt sogar noch später dazu: der kopfbildende Chinakohl kam nach dem späten 18. Jahrhundert aus China ins Land, zur Hauptzutat wurde er erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, und das Kimchi aus ganzen Kohlvierteln ist damit gut hundert Jahre alt. Das rote Kimchi aus Chinakohl, das heute jeder vor Augen hat, ist damit die jüngste Schicht eines sehr alten Gerichts, und ausgerechnet die beiden Zutaten, die es ausmachen, sind die Nachzügler.
Das gemeinsame Einlegen im Spätherbst heißt Kimjang: Familien, Nachbarschaften oder ganze Dörfer machen an einem Tag den Wintervorrat und teilen ihn danach auf. Die UNESCO hat Kimjang am 5. Dezember 2013 in Baku in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, und zwar ausdrücklich für das Teilen mit den Nachbarn über soziale Unterschiede hinweg, nicht für das Rezept.
Die regionalen Unterschiede sind denn auch keine Frage des Geschmacks, sondern eine der Haltbarkeit. Im wärmeren Süden säuert der Ansatz schneller, also kommen mehr Salz und mehr Chili hinein. Im kälteren Norden gärt er langsam, also braucht er weniger Salz. Die reichliche Lake, für die der Norden bekannt ist, meint dabei die Flüssigkeit im fertigen Kimchi, das 국물, und nicht mehr Salzlake beim Einsalzen: aufgegossen wird erst nach dem dritten Tag. Die Würzung soll dort ausdrücklich 심심하게 ausfallen, also leicht fad wirken. Wer die Presets oben durchklickt, schaltet genau diese Rechnung um.
Was beim Fermentieren passiert
Das Salz zieht Wasser aus dem Kohl und schafft eine Umgebung, in der die meisten Verderbniskeime nicht mehr arbeiten, Milchsäurebakterien aber schon. Die sitzen von Anfang an auf dem Gemüse, es wird nichts geimpft. Zuerst übernimmt Leuconostoc mesenteroides, später verschieben sich die Verhältnisse zu Lactobacillus und Weissella. Sie wandeln Zucker in Milchsäure um, der pH-Wert fällt, und genau dieser Säureaufbau ist der Geschmack. Reifes Kimchi trägt grob 10⁷ bis 10⁹ lebende Keime pro Gramm.
Weil das ein lebender Prozess ist, gibt es keinen Zeitpunkt, an dem Kimchi fertig ist. Es gibt nur den Zeitpunkt, an dem es dir schmeckt. Junges Kimchi ist frisch und knackig, altes ist deutlich saurer, weicher und besser zum Kochen.
Im Krug und im Kühlschrank
Traditionell lief das im Onggi, dem irdenen Gärkrug. Er wird bei über 1200 °C gebrannt, und die Wand bleibt dabei porös genug, dass von außen Luft einwandert. Im Vergleich mit anderen Gefäßen reift Kimchi im unglasierten Onggi messbar besser: die Milchsäurebakterien nehmen zu, die Fäulniskeime ab. In einer Vergleichsreihe über vier Wochen lagen die aeroben Keime bei 10⁷ statt 10⁹ Keimen je Gramm wie in Polypropylen und Edelstahl (Jeong 2011), und weil die poröse Wand Kohlendioxid entweichen lässt, vermehrten sich die Milchsäurebakterien 26 Prozent stärker als im dicht verschlossenen Glas (Kim und Hu 2023). Vergraben wurde der Krug in Stroh gewickelt, damit die Temperatur gleichmäßig blieb.
Im Wohnblock lässt sich nichts mehr vergraben, und genau daran hängt das nächste Kapitel: 만도기계 gründete 1993 ein eigenes Forschungsinstitut, legte in drei Jahren rund eine Million Kohlköpfe ein und brachte im November 1995 den 딤채 heraus, den ersten Kimchi-Kühlschrank. Er hält minus 1 bis minus 1,5 °C statt der 1 bis 5 °C eines gewöhnlichen Kühlschranks. Was der vergrabene Krug an gleichmäßiger Kälte lieferte, macht seitdem ein Gerät.
Was die Studien zu Kimchi wirklich sagen
Kimchi hat den Ruf eines Gesundheitsessens, und ein paar Sätze dazu liest man überall. Hier steht zu jedem, was die Untersuchungen dahinter tatsächlich hergeben. Zwei Dinge vorweg, weil sie sonst untergehen: die methodisch stärkste Studie hat nicht Kimchi geprüft, sondern Kapseln mit gefriergetrocknetem Kimchi-Pulver, und drei der vier stärksten Belege stammen vom World Institute of Kimchi oder aus koreanischer Agrarförderung.
In einer Metaanalyse lag der Nüchternblutzucker der Kimchi-Gruppen um 1,93 mg/dL niedriger als in den Vergleichsgruppen (95 % Konfidenzintervall -3,82 bis -0,03), gemessen über Zeiträume bis zwölf Wochen. Der Unterschied ist statistisch da und zugleich so klein, dass er in einem Laborbericht nicht auffiele.
In der HEXA-Kohorte mit 61.761 Teilnehmern ging mehr Baechu-Kimchi mit einem günstigeren Lipidprofil einher. Das ist eine Beobachtung an Menschen, die ohnehin so essen, und keine Zuteilung: wer viel Kimchi isst, isst und lebt auch sonst anders, und genau das lässt sich hier nicht herausrechnen.
Eine prospektive Kohorte mit 4.666 Teilnehmern über zwanzig Jahre fand bei Frauen ein Hazard Ratio von 0,80 für einen niedrigen HDL-Wert. Ein klares Dosismuster gab es nicht, mehr Kimchi hieß also nicht durchgehend ein besserer Wert, und ohne dieses Muster trägt der Befund kaum über sich hinaus.
In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie über zwölf Wochen sank die Körperfettmasse gegenüber Placebo (p = 0,004 und p = 0,003). Verabreicht wurden allerdings Kapseln mit gefriergetrocknetem Kimchi-Pulver, 3000 mg am Tag, und nicht Kimchi vom Teller. Auf eine Portion aus dem Glas lässt sich das Ergebnis nicht übertragen.
Dieselbe Studie fand unter den Kapseln mehr Akkermansia muciniphila und weniger Proteobakterien. Das sind Messwerte an der Zusammensetzung der Darmflora, kein klinischer Endpunkt, und dieselbe Studie berichtet zugleich, dass sich Alpha- und Beta-Diversität überhaupt nicht unterschieden.
Eine Metaanalyse aus 22 Studien in Japan und Korea fand für stark gesalzenes eingelegtes Gemüse ein erhöhtes Magenkrebsrisiko (Odds Ratio 1,28, 95 % Konfidenzintervall 1,06 bis 1,53), während frisches Gemüse in denselben Daten schützt (Odds Ratio 0,62). Eine zweite Metaanalyse kommt auf ein Odds Ratio von 1,52 (1,37 bis 1,68), für Korea allein 1,89, findet dabei aber keine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Eine dritte, dosisabhängige Auswertung nennt ein relatives Risiko von 1,15 je 40 g am Tag. Damit ist dieser Punkt besser belegt als die günstigen weiter oben.
Kimchi enthält rund 620 mg Natrium je 100 g, je nach Ansatz zwischen 534 und 783. In Korea kommen darüber rund 500 mg Natrium am Tag zusammen, also rund 14 Prozent der gesamten Zufuhr; auf Baechu-Kimchi allein entfallen 7,4 bis 8,6 Prozent. Es ist dieselbe Salzlake, die konserviert und die den Befund darüber trägt; beide Punkte hängen an derselben Zutat und lassen sich nicht getrennt bewerten.
Ein Querschnitt aus 20.114 Erwachsenen fand keinen Zusammenhang zwischen Kimchi-Verzehr und Bluthochdruck; das Odds Ratio 0,87 (95 % Konfidenzintervall 0,70 bis 1,08) gilt dabei für Männer, bei Frauen liegt es bei 1,04 (0,80 bis 1,34). Eine eigene Kohorte über zwölf Jahre mit 5.932 Teilnehmern kommt zum selben Ergebnis, berichtet aber bei adipösen Männern einen Trend zu höherem Risiko mit steigendem Verzehr von Wasserkimchi. Gemessen wurde beides in einer Bevölkerung, die durchgehend salzreich isst; eine Vergleichsgruppe mit wenig Salz gab es darin nicht.
Der Histamingehalt schwankt stark von Ansatz zu Ansatz; in einer Untersuchung handelsüblicher Proben lag ein Produkt über der Toxizitätsgrenze. Für Menschen mit Histaminintoleranz ist das der praktisch wichtigste Punkt auf dieser Liste, für alle anderen ohne Bedeutung.
Für diese Sätze gibt es beim Menschen nichts, worauf sie sich stützen könnten:
- antiviral: gezeigt in der Zellkultur, nicht am Menschen.
- Krebsprävention: gezeigt in vitro und im Mausmodell, nicht am Menschen.
- stärkt das Immunsystem: als Schutz vor Krankheiten nirgends geprüft.
- besseres Hautbild, bessere Stimmung: dazu liegt keine Untersuchung vor.
- Probiotikum im engeren Sinn: dass reifes Kimchi sehr viele lebende Keime trägt, ist unstrittig. Dass sie sich im Darm dauerhaft ansiedeln, ist nicht gezeigt, und genau daran hinge der Begriff.
Fehlt hier eine Studie, die du kennst? Vorschläge sind willkommen, gern an erik@erseni.com.